
Baal Schem Tow und die Pfeife
Der jüdische Meister Baal Schem Tow ist ein Meister des Moments - das spontane, ungezähmte Leben zählt für ihn mehr als religiöse Rituale. Die Geschichte von einem geistig behinderten Jungen und seiner (lauten) Pfeife.

Ein bisschen verrückt sein!
Es waren gerade Feiertage und die Anhänger des Chassidismus (eine jüdische Sekte) trafen sich zum Gebet und einer Sitzung mit dem Meister Baal Schem Tow.
Ein Mann war mit seinem geistig behinderten Kind gekommen. Er war ein wenig besorgt darüber, dass der Junge etwas anstellen könnte, deshalb behielt er ihn ständig im Auge. Als die Gebete gesprochen wurden, fragte der Sohn seinen Vater: „Ich habe eine Pfeife dabei, darf ich darauf spielen?“ Der Vater antwortete: „Ganz bestimmt nicht, wo ist die Pfeife?“, denn er fürchtete sich. Der Junge würde vielleicht nicht auf sein Nein hören. Der Sohn zeigte ihm die Pfeife und der Vater hielt seine Hand auf der Tasche des Jungen.
Dann wurde getanzt und der Vater vergaß die Pfeife und tanzte mit. Chassidische Juden tanzen gerne, sie sind fröhliche Menschen, sie sind das Sahnehäubchen des Judentums, diese verrückten Leute tragen das Wesentliche des Judentums mit sich.
Als jeder zu Gott betete und dabei tanzte, da konnte der Junge nicht länger widerstehen. Er nahm seine Pfeife aus der Tasche und blies darauf. Alle waren total schockiert! Aber Baal Shem kam, umarmte den Jungen und sagte: „Unsere Gebete wurden erhört. Ohne die Pfeife wäre alles umsonst gewesen. Das war das einzig Spontane hier. Alles andere war nur ein Ritual.“
Erlaube deinem Leben nicht, zu einem toten Ritual zu werden. Erlaube auch Momente, die unerklärlich sind. Erlaube ein paar Dinge, die mysteriös sind, für die du keine Erklärung finden kannst. Erlaube ein paar Handlungen, von denen die Leute denken werden, du seist ein wenig verrückt geworden. Ein Mensch, der 100 Prozent vernünftig ist, ist schon gestorben. Ein bisschen verrückt zu sein, ist immer eine große Freude.
Osho, The Perfect Master Vol.2 #4
Foto von Peter
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