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Der Puls hört niemals auf

Tibetan Pulsing birgt viele Überraschungen. Man geht weit über die Erfahrungen hinaus, die man normalerweise kennt. Man fühlt Emotionen und Gefühle, die sonst versteckt waren. Es entsteht Verständnis für sich und andere Menschen. Ein Artikel von Ranva I. Görner

Das kann in einer Sitzung passieren ...

Tipps

Eine unbekannte Kraft schießt in meine Lenden, ich spüre und erfahre am eigenen Leib, wie es ist, physisch ein Mann zu sein, wie sich Penis und Hoden anfühlen, ich spüre die nach außen gestülpte Kraft, den Puls in meinen Lenden, den Drang vorwärts zu stoßen und die Bereitschaft, mich ins Universum zu ergießen. Und das alles in einem Frauenkörper. Wie ist das möglich?

Die Rede ist von meiner ersten Tibetan Pulsing - Sitzung, die ich 1989 in Poona/Indien erhielt. Seit längerer Zeit litt ich an veränderlichem Zellwachstum am Muttermund, und hatte dafür eine Pulsing-Session gebucht, da sie bei diesen Symptomen äußerst wirksam sein sollte - was sich absolut bestätigte. Vor der Körperbehandlung schaute mir Jaladhi, mein Sessiongiver, lange Zeit mit einer Licht-Lupe in beide Augen und besah sich darin genau die 24 Organe, die das ganzheitliche System des Tibetan Pulsing zugrundelegt. Er sprach mit mir u.a. über die männliche Kraft und das Hara und fragte, ob ich Kraft zurückhielte. Dies konnte ich nur bejahen. Verblüfft über das, was alles in meinen Augen zu sehen war, legte ich mich auf die Matte zur anschließenden Körperbehandlung.

Eine intensive Musik zieht meine Aufmerksamkeit nach innen. Ich sinke. Mein ganzes System geht in Resonanz mit den Trommeln, tiefen Bässen und rhythmischen Gesängen, die die gezielte Körperarbeit an meinem Hara-Kreislauf unterstützen. Umfassender wurde ich noch nie berührt. „Soviel Hände und Beine kann ein Mensch gar nicht haben“, sagt mein Denken und gibt auf. Ich sinke tiefer. An mehreren Punkten und Stellen wird gleichzeitig gedrückt, gezogen, entladen, bewegt und verharrt. Die Berührung ist geführt von einer inneren Logik, wie mir scheint, unfassbar für den Verstand. Mal durchzieht ein vibrierendes Pulsieren und Klopfen meinen Körper, mal wird mir ganz heiß, mal kalt, mal ist es ganz still..

Ich bin voll da und gleichzeitig in tiefer Entspannung. Manche Punkte sind extrem schmerzempfindlich, doch ein inneres Wissen fühlt die Befreiung darin und gibt sich diesem Lösungsschmerz hin. Ich bin Zeuge von Schmerz und Wohlgefühl, Traurigkeit, Freude, Angst, Schockerinnerungen, Widerstand, Anspannung und tiefem Frieden zugleich. Bilder längst vergangener Gewalttätigkeiten, nicht nur aus diesem Leben, steigen auf . Wenn ich mich nicht an sie hänge und sie festhalte, sinke ich noch tiefer – ich falle durch die Bilder hindurch. Tief dringt Jaladhis Hand - oder ist es sein Fuß? - in mein Hara ein und ich nehme wahr, wie es sich mehr und mehr öffnet - der Widerstand schmilzt. Ein Tor geht auf – ich ent-decke meine männliche Kraft ...und sie fühlt sich gut an! Was für ein Erlebnis!

Seitdem erfuhr ich diese Art der Körper- und Energiearbeit viele hunderte Male in gebender und empfangender Funktion und bin heute noch verblüfft, erstaunt und tief berührt von der Durchschlagskraft und Schmelzqualität dieser transformatorischen Arbeit.

Was ist das Geheimnis des Tibetan Pulsing?

Tibetan Pulsing geht zurück auf alte rituelle und tantrische Praktiken der tibetischen und taoistischen Weisheitslehre. In diesen alten Traditionen dient jede Praxis, jede Methode, dem Erkennen unserer wahren Natur. So ist auch die Arbeit des Tibetan Pulsing zu verstehen. Auf den ersten Blick „nur“ eine Körpermethode, entpuppt sie sich in der Vertiefung als Instrument der Durchdringung des Seins auf allen Ebenen.

Das Festhalten an Konditionierungen und Glaubenskonzepten, seien sie positiv oder negativ, erschafft und erhält geistige Welten, die nicht der Realität entsprechen. Manchmal sind die Geschichten und illusionären Welten uralt und nicht mehr wegzu“denken“. Im Körper- und Energiesystem eines Menschen zeigen sie sich als Verkrampfungen, Aufladungen und Verhärtungen. Handlung, intimer Kontakt und geistiges Sehen sind durch die alte Geschichte getrübt und eingeschränkt. Der frische natürliche Augenblick des HIER und JETZT ist überlagert.

Tibetan Pulsing reinigt und heilt unsere Nervenbahnen und Organe, unser gesamtes bio-elektrisches System, von diesen alten, toten Krusten. Die Energiekanäle werden frei von belastenden Erinnerungen, gespeicherten Dramen, festgehaltenen Urteilen und Konzepten. Diese Entleerung des Nervensystems macht uns durchlässig für die feinsten Schwingungen und Vibrationen unseres Seins. Das lebendige Wesen kann auf allen Ebenen wieder zum Vorschein kommen.

Ein ganzheitliches Organuniversum Das System des Tibetan Pulsing arbeitet mit 24 Organen, die auch sichtbar sind in der Iris unserer Augen. Sie bilden einen organischen Kreislauf, in dem jedes Organ neben seiner rein physiologischen Funktion eine bestimmte Essenz, Qualität und Thematik repräsentiert.

Psychosomatische Symptome und Probleme körperlicher, emotionaler und mentaler Art entstehen durch Trennung und Abspaltung von diesen ursprünglichen Funktionen, Qualitäten und Essenzen. Das organische Gleichgewicht ist dadurch gestört und damit der ganze Organkreislauf. Tiefe pulsierende Berührung, sanfter und zugleich bestimmter, zielgerichteter Druck an bestimmten Punkten und Zonen, oft entlang des Knochengerüstes und damit direkt am bioelektrischen Strom ansetzend, und speziell eingestimmte Musik, veranlassen das System, in seinen natürlichen Energie-Kreislauf zurückzukehren. Die jeweiligen Organe werden an ihre ursprüngliche Kraft und Essenz erinnert. Dabei entwickelt sich oft eine enorme Hitze oder Kälte. Diese Zustände werden das „Feuer der Transformation“ genannt. Das, was unserer wahren Natur in den Weg gestellt wurde und zur Abspaltung führte, verbrennt in diesem Feuer. Im Organismus tritt Ent-Spannung und tiefer Frieden ein – wir erfahren die „pulsierende Stille“ des Seins.

Die Dimension des Pulsschlages „There is only one of us“ ist für mich ein Schlüsselsatz von Shantam Dheeraj, derm Begründer des Tibetan Pulsing.„Es gibt nur EINEN von uns“ – der Satz, immer wieder gesprochen aus seinem Mund, verdeutlicht die Dimension, die er in dieser Methode sah. Das EINE kann unmittelbar gefühlt und wahrgenommen werden durch den Pulsschlag, den Schlag des Herzens, der in einem Augenblick einer Zellanhäufung im Mutterleib plötzlich beginnt und im Augenblick des physischen Todes genauso plötzlich wieder endet. Jeder Pulsschlag scheint gleichzeitig zu fragen und - zu antworten: „Woher kommme ich? Wohin gehe ich?“ – HIER !

Körper kommen und gehen, der Puls bleibt. Ohne viel Worte und Konzepte erkennt der Praktizierende des Tibetan Pulsing, egal ob aktiv (Sessiongeber) oder rezeptiv (Sessionempfänger), dieses EINE, das wir sind. Gleich-gültig, ob Wellen des Glücks oder Wellen des Unglücks den Organismus durchfluten - es bleibt „nur noch“ der Zeuge, der sich dieser Geschehnisse gewahr ist - weder glücklich, noch unglücklich ...

Die Praxis des Tibetan Pulsing Praktiziert wird das Tibetan Pulsing in Form von Einzelsitzungen und Gruppenprozessen. Einzelsitzungen beginnen in der Regel mit einer Augenanalyse, dem Blick auf die spezifischen Ausprägungen des 24-teiligen Organkreislaufs, und einem Gespräch, währenddessen sich das Organ herauskristallisiert, das die Behandlung erfährt. Die Behandlung selbst besteht aus einer 45 – 60-minütigen Körperarbeit, die alle wesentlichen Organ-Punkte auf mentaler, emotionaler und physischer Ebene einbezieht. Dadurch werden die jeweiligen Energie- und Nervenbahnen von Blockaden und Aufladungen gereinigt und befreit und beginnen wieder miteinander zu korrespondieren, zu tanzen, zu pulsieren.

In Gruppenprozessen werden die Teilnehmer selbst zu Praktizierenden und lernen sich in Partner- und Gruppenarbeit als aktiven und als rezeptiven Part kennen – gebend und empfangend.

Die Behandlungstechnik selbst besteht aus einheizenden, pushenden Impulsen, aus magnetischen, ziehenden Bewegungen, aus einem integrierenden, langsamen Verteilen von heilsamer Energie und ist durchzogen von stillem Verweilen im Nicht-Tun. Sowohl Einzelsitzungen als auch Gruppenprozesse führen in tiefe Entspannung und Meditation und sind eine wohltuende, kraftspendende und Lebenslust schenkende Arbeit.


Artikel von Ranva I. Görner


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